Foto Regenbogenfahne

Fachartikel zu queer als Querschnittsthema der sozialen Arbeit. Gemeinsam mit Ammo Recla, Berlin 2014. Für: Themenheft Queer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.

Klar können Lesben zusammen leben – was soll die Aufregung?

In Deutschland gibt es die eingetragene Lebenspartnerschaft, Prominente und Politiker_innen leben offen homo- oder bisexuell. Ist da ein Heft zu queer überhaupt noch nötig? Und was bringt mir das, auch wenn ich vielleicht mit anderen Zielgruppen arbeite? Mit solchen Fragen sind wir bei ABqueer häufig konfrontiert. Anhand von Beispielen und einer knappen Checkliste finden Sie heraus, ob und an welcher Stelle  das Thema für Ihre Arbeit relevant ist.

Die Paragraphen, die homosexuelle Handlungen unter Strafe stellten, sind in Deutschland vor über 20 Jahren abgeschafft worden – 1988 in der ehemaligen DDR und 1994, im Zuge der Wiedervereinigung, auch in der BRD. Seitdem hat sich die rechtliche Anerkennung von schwulen, lesbischen, bisexuellen, trans-,  intergeschlechtlichen und queeren (kurz: lgbtiq) Menschen verbessert. Im Alltag sind sie jedoch weiter von Diskriminierungen betroffen.

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Paul ist fünf. Er trägt gern Kleider und Haarspangen. Doch seit ein paar Wochen nur noch zu Hause. Die anderen Kinder im Kindergarten lachen ihn aus, wenn er im Kleid kommt, die Erwachsenen sagen: „Na, bist du heute wieder ein Mädchen?“ Er spürt, dass das kein Kompliment ist, dass er mit Kleid nicht dazugehören kann. Paul bekommt das Gefühl vermittelt, falsch zu sein. Zugleich erfährt er, dass „Mädchen sein“ irgendwie schlechter ist.

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Sergül (15) und Marie (16) sind ein Paar. Doch in ihrer Klasse werden „Lesbe“, „Schwuchtel“ und „schwul“ als Schimpfworte benutzt. Aus Angst halten Sergül und Marie ihre Liebe geheim. Um nicht entdeckt zu werden, treffen sie sich manchmal in einem anderen Stadtteil. Hand in Hand auf einer Parkbank werden sie mehrmals angepöbelt und bedroht.

Bei Familientreffen wird Sergül gefragt: „Und, hast du schon einen Freund?“. Sie spürt: Die Liebe zu einem Mädchen ist nicht normal, weder auf der Parkbank, noch in der Familie.

Maries Eltern entdecken schließlich, dass ihre Tochter ein Mädchen liebt. Stubenarrest, Drohungen und Demütigungen sind die Folge. Nach ein paar Wochen läuft Marie von zu Hause weg. Sie flüchtet in eine andere Stadt, verlässt ihre Liebe, und unterbricht ihre Schulausbildung. Regelmäßig reagieren schwule oder lesbische Jugendliche auf familiären Druck mit Weglaufen, etwa eine_r von 25 wird nach dem Coming Out von den Eltern rausgeworfen.
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